Buchmesse: Drei Tage Unterwegs in Frankfurt

Erster Tag: Römerberg – das Herz Frankfurts

Von der Hauptwache geht man in Richtung Liebfrauenstraße, man kommt vorbei an Depot. In diesem Haus war von 1983 bis Ende 2015 die Buchhandlung Carolus, die auf der ersten Etage ein gutes theologisches und philosophisches und im Erdgeschoß ein ausgewähltes allgemeines Sortiment führte. Carolus mußte die Ladenfläche räumen, weil der Verband der 42 Frankfurter Kirchengemeinden einfach mehr Geld wollte anstatt unterhaltende und religiöse Literatur, Rosenkränze und Kerzen.

Der Stadtdechant von Frankfurt, Johannes zu Eltz, kritisierte zur selben Zeit seinen damaligen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst mit unsäglichen Äußerungen auf unchristliche Weise. Dazu gehörte die Aufforderung: „Er solle sieben Jahre lang die ‚armseligste Großpfarrei im Bistum ohne bischöfliche Privilegien als einer von uns, als Pfarrer‘, leiten. Danach werde er als Bischof alle je von ihm gewünschte Zustimmung und allen Gehorsam erhalten“. 1) Die Geldgier der 42 Frankfurter Kirchengemeinden aber wurde kaum kritisiert.

Ein wenig weiter kommt die Liebfrauenkirche, im Innenhof brennen zahlreiche Opferkerzen.

Die brennende Kerze symbolisiert die Herrlichkeit Gottes, an den das Gebet sich richtet, und zugleich die Verehrung, den Dank und die Bitte, die zu Ihm aufsteigen. Vor einem Marien- oder anderen Heiligenbild bedeutet es die Bitte um deren Fürbitte bei Gott. Die Kerze gibt dem Gebet über die Zeit der Anwesenheit des Beters hinaus, für ihn selbst und andere, eine wahrnehmbare Gestalt. Der Brauch der Opferkerzen reicht in frühchristliche Zeit zurück und ist verwandt mit dem Grablicht.

Weiter geht’s über die Berliner Straße. Überquerung des Paulsplatzes, auf dem regelmäßig Falun Gong praktiziert wird. Wenige Meter weiter ist das Ziel der Römerberg, dessen östlicher Teil Samstagberg genannt wird.

Römerberg

Römer, Patrizierhaus mit drei Treppengiebeln, Ort für die Verhandlungen zur Kaiserwahl. Seit 1405 das Rathaus von Frankfurt.

Das heutige Platzbild ist das Ergebnis von äußerlich originalgetreuen Rekonstruktionen und Neubauten der 1950er und 1980er Jahre, was die wenigsten wissen. Seitdem ist er ein beliebtes Ziel von Touristen.

Hinter den Fachwerkhäusern erhebt sich der gotische Dom aus rotem Sandstein. Nach historischen Grundskizzen entsteht das kleinteilige DomRömer-Quartier mit 35 teilweise rekonstruierten Altstadthäusern. Es ist der Krönungsweg zwischen Römer und Dom. Zum Jahresende wird es wohl fertig sein.

Zweiter Tag: Main und etwas Grünes

Ausgangspunkt ist die Alte Oper. Bedeutendes Konzert- und Kongreßhaus, erbaut im 19. Jahrhundert, im Zweiten Weltkrieg zerstört, 1981 rekonstruiert.

Nach einer Drehung um 180 Grad blickt man in die Taunusanlage, ein Weg führt zum Main.

Zunächst aber erst der Willy-Brandt-Platz. Den Namen erhielt er 1993. Die Schilder mußten jedoch schnell wieder ausgetauscht werden, als ein italienischer Journalist bemerkte, daß die Schreibweise fälschlicherweise „Willi-Brandt-Platz“ lautete. 2)

Angekommen am Main wechselt man die Flußseite, der schönste Weg ist der Eiserne Steg.

Auf der anderen Seite des Mains, links, ist das Ikonen-Museum der Stadt Frankfurt. Rechts daneben die Deutschordenskirche, der einzige Ort in Frankfurt, wo die Kirche die Messe aller Zeiten (umgangssprachlich auch Tridentinische Messe genannt) feiert. Nach der Wiedereröffnung der St. Leonhardskirche 2018 wird die Messe aller Zeiten voraussichtlich wieder dort gefeiert, oder aber die Kirche – was einem Wunder gleichkäme – liest wieder in allen Kirchen, weltweit, die Messe aller Zeiten. Wer die Deutschordenskirche betritt und den Altar sowie die Seitenaltäre sieht, wird erkennen, daß diese Kirche wie zigtausende auf der ganzen Welt genau für diese Liturgie, und nur für diese, gebaut wurde.

Zurück über die Alte Brücke durch die Stadt sollte man unbedingt zum Kornmarkt ins Stammhaus von Wacker`s Kaffee.

Dritter Tag: Oberursel

Mit der S-Bahn (S5) sind es rund 20 Minuten von der Messe bis nach Oberursel. In der Altstadt, gut erreichbar zu Fuß oder U-Bahn, direkt gegenüber der S-Bahn, können Fachwerkhäuser besichtigt werden, und vom Kirchplatz schaut man auf die Stadt.

Die Luft, die meist aus dem Taunus kommt, ist herrlich und die Nähe zur Metropole Frankfurt kaum spürbar. Es gibt mehrere sehr gute Lokale in der Altstadt, und mit der S-Bahn bzw. U-Bahn (U3) ist man zügig wieder in Frankfurt.

 

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1. https://de.wikipedia.org/wiki/Franz-Peter_Tebartz-van_Elst#cite_ref-faz20130804_45-0 (Abgerufen: 19. Oktober 2017, 17:15 UTC)
2. „Unübertroffen bleibt eine Panne, die den ehemaligen Oberbürgermeister Andreas von Schoeler fast aus den Latschen kippte: Als er 1993 das Schild für den im Gedenken an den verstorbenen Bundeskanzler umbenannten ‚Willy-Brandt-Platz‘ enthüllte, offenbarte sich Ungeheuerliches. Auf dem Schild stand ‚Willi‘.“ (Frankfurter Rundschau vom 19. Juni 2009)

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