Fest des Allerheiligsten Leibes Christi – Fronleichnam

Gestern feierten wir das Fest Fronleichnam. Mit der Schola Cantorum Monasteriensis stand ich auf der Empore und konnte zwischendurch auf den Auslöser drücken.

Die heilige Messe wurde in St. Aegidii gefeiert.

Fronleichnam

Der Name Fronleichnam leitet sich vom Mittelhochdeutschen vrône lîcham ab, was wörtlich ‚des Herren Leib‘ bedeutet. Dass dieses Fest an einem Donnerstag begangen wird, verdeutlicht seine Beziehung zum Gründonnerstag, dem eigentlichen Tag der Einsetzung der heiligen Eucharistie.

Es ist Brauch, im Anschluss an die Festmesse eine Fronleichnamsprozession zu halten. Weil diese allerdings nicht zum eigentlichen Bereich der Liturgie gehört, ist sie nicht im offiziellen Messbuch enthalten, sondern fällt laut Dekret der Ritenkongregation aus dem Jahr 1959 in die Zuständigkeit der Ortsbischöfe. Üblicherweise trägt der Priester unter einem Baldachin (=Tragehimmel) das Allerheiligste mit der Monstranz in feierlicher Prozession durch die mancherorts mit Blumenteppichen gezierten Straßen der Dörfer und Städte. Die Häuser sind festlich mit Fahnen geschmückt, und an vier auf öffentlichen Plätzen errichteten Altären werden Andachten mit eucharistischen Gesängen, Schriftlesungen, Fürbitten und einem sakramentale Segen gehalten.

Die Einführung des Fronleichnamsfestes geht auf eine Vision einer Augustiner-Chorfrau zurück. An einem Tag des Jahres 1209, als die hl. Juliane von Lüttich (1193-1258) vor dem Tabernakel ins Gebet versunken war, sah sie plötzlich einen leuchtenden Mond, der am Rand eine dunkle Stelle hatte. Ihr wurde geoffenbart, der Mond versinnbilde das Kirchenjahr und der Schatten bedeute, dass ein Dank- und Sühnefest zu Ehren des allerheiligsten Altarsakraments fehlte, für dessen Einführung sie sich einsetzen solle. Als sie 1230 zur Oberin ihres Klosters gewählt wurde, trat sie mit ihrem Auftrag in die Öffentlichkeit. Nach vielen Anfeindungen und heftigem Widerstand durfte sie noch selbst erleben, wie im Jahr 1246 in Lüttig zum ersten Mal das Fronleichnamsfest gefeiert wurde.

Ein weiteres, für die Einführung des Fronleichnamfestes bedeutsames Ereignis geschah im Jahr 1263. Ein frommer Priester namens Petrus aus Prag, der von heftigen Zweifeln an der wirklichen Gegenwart des Herrn im Sakrament der Eucharistie geplagt war, unternahm eine Wallfahrt nach Rom. Auf der Durchreise zelebrierte er in der Kirche der hl. Christiana zu Boldsena eine hl. Messe. Als er wie gewohnt die heilige Hostie entzweibrach, floss plötzlich Blut daraus hervor. Er sah, wie der rechte Teil der Hostie sich in ein Stück Fleisch verwandelte, während der linke Teil sein gewöhnliches Aussehen bewahrte. Das hochheilige Blut aber rann auf das Korporale nieder. Sogleich begab er sich zu Papst Urban IV. (1261-1264), der sich damals im benachbarten Orvieto aufhielt. Dieser nahm das blutbenetzte Korporale kniend entgegen. Tief davon bewegt und im Gedanken an die hl. Juliane von Lüttich, ordnete er mit der Bulle ‚Transisturus de hoc mundo‘ vom 11. August 1264 das Fronleichnamsfest für die ganze Kirche an.

Mit der Gestaltung des Festoffiziums wurde der hl. Thomas von Aquin (1265-1274) beauftragt. Dieser schuf dazu die großartigen Sakramentshymnen Panis angelicus, Pange lingua, Adoro te devote, Verbum supernum prodiens sowie die Sequenz Lauda Sion. In diesen Texten ist die katholische Glaubenslehre über das hochheilige Sakrament des Altars in meisterhafter Klarheit kurz und präzise zusammengefasst.

Wir glauben, dass kraft der Einsetzung Jesu Christi durch die Wandlungsworte des Priesters zwar die äußeren Gestalten von Brot und Wein unverändert bleiben, deren inneres Wesen aber ganz und gar verwandelt wird (Transsubstantiation = Wesensverwandlung). Brot und Wein hören auf, Brot und Wein zu sein. Verborgen unter den äußeren Gestalten von Blut und Wein ist nun Jesus selbst mit Gottheit und Menschheit, mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig. Dabei ist er ganz in der Gestalt des Brotes und ganz in der Gestalt des Weines sowie ganz in der ganz in der Hostie und ganz in jedem ihrer Teile gegenwärtig (Realpräsenz).

Im überlieferten Ritus kommen Anbetung und Ehrfurcht vor dem Herrn in eucharistischen Sakrament nicht nur durch die Kniebeuge zum Ausdruck, sondern insbesondere auch dadurch, dass die Gläubigen IHN an der Kommunionsbank kniend in den Mund empfangen. (Quelle: P. Martin Ramm, Volksmissale, Thalwil 2015)

Sequenz: Lauda, Sion, Salvatórem

Lauda Sion Salvatorem,
Lauda ducem et pastorem
In hymnis et canticis.

Quantum potes, tantum aude,
Quia maior omni laude,
Nec laudare sufficis.

Laudis thema specialis
Panis vivus et vitalis
Hodie proponitur.

Quem in sacræ mensa cœnæ
Turbæ fratrum duodenæ
Datum non ambigitur.

Sit laus plena, sit sonora;
Sit iucunda, sit decora
Mentis iubilatio,

Dies enim solemnis agitur
In qua mensæ prima recolitur
Huius institutio.

In hac mensa novi Regis
Novum Pascha novæ legis
Phase vetus terminat.

Vetustatem novitas,
Umbram fugat veritas,
Noctem lux eliminat.

Quod in cœna Christus gessit,
Faciendum hoc expressit
In sui memoriam:

Docti sacris institutis
Panem, vinum in salutis
Consecramus hostiam.

Dogma datur Christianis,
Quod in carnem transit panis
Et vinum in sanguinem.

Quod non capis, quod non vides,
Animosa firmat fides
Præter rerum ordinem.

Sub diversis speciebus,
Signis tantum et non rebus,
Latent res eximiæ:

Caro cibus, sanguis potus,
Manet tamen Christus totus
Sub utraque specie.

A sumente non concisus,
Non confractus, non divisus
Integer accipitur.

Sumit unus, sumunt mille,
Quantum isti, tantum ille,
Nec sumptus consumitur.

Sumunt boni, sumunt mali,
Sorte tamen inæquali,
Vitæ vel interitus.

Mors est malis, vita bonis,
Vide paris sumptionis
Quam sit dispar exitus

Fracto demum sacramento,
Ne vacilles, sed memento
Tantum esse sub fragmento,
Quantum toto tegitur.

Nulla rei fit scissura,
Signi tantum fit fractura,
Qua nec status nec statura
Signati minuitur

Ecce panis Angelorum,
Factus cibus viatorum,
Vere panis filiorum,
Non mittendus canibus!

In figuris praesignatur,
Cum Isaac immolatur,
Agnus Paschæ deputatur,
Datur manna patribus.

Bone pastor, panis vere,
Jesu, nostri miserere,
Tu nos pasce, nos tuere,
Tu nos bona fac videre
In terra viventium.

Tu qui cuncta scis et vales,
Qui nos pascis hic mortales,
Tuos ibi commensales,
Cohæredes et sodales
Fac sanctorum civium.

Deinem Heiland, deinem Lehrer,
deinem Hirten und Ernährer,
Sion, stimm ein Loblied an!

Preis nach Kräften seine Würde,
da kein Lobspruch, keine Zierde
seinem Ruhm genügen kann.

Dieses Brot sollst du erheben,
welches lebt und gibt das Leben,
das man heut’ den Christen weist.

Dieses Brot, mit dem im Saale
Christus bei dem Abendmahle
die zwölf Jünger hat gespeist.

Laut soll unser Lob erschallen
und das Herz in Freude wallen,
denn der Tag hat sich genaht,

Da der Herr zum Tisch der Gnaden
uns zum ersten Mal geladen
und dies Mahl gestiftet hat.

Neuer König, neue Zeiten,
neue Ostern, neue Freuden,
neues Opfer allzumal!

Vor der Wahrheit muss das Zeichen,
vor dem Licht der Schatten weichen,
hell erglänzt des Tages Strahl.

Was von Christus dort geschehen,
sollen wir fortan begehen,
seiner eingedenk zu sein.

Treu dem heiligen Befehle
wandeln wir zum Heil der Seele
in sein Opfer Brot und Wein.

Doch wie uns der Glaube kündet,
der Gestalten Wesen schwindet,
Fleisch und Blut wird Brot und Wein.

Was das Auge nicht kann sehen,
der Verstand nicht kann verstehen,
sieht der feste Glaube ein.

Unter beiderlei Gestalten
hohe Dinge sind enthalten,
in den Zeichen tief verhüllt.

Blut ist Trank, und Fleisch ist Speise,
doch der Herr bleibt gleicherweise
ungeteilt in beider Bild.

Wer ihm nahet voll Verlangen,
darf ihn unversehrt empfangen,
ungemindert, wunderbar.

Einer kommt, und tausend kommen,
doch so viele ihn genommen,
er bleibt immer, der er war.

Gute kommen, Böse kommen,
alle haben ihn genommen,
die zum Leben, die zum Tod.

Bösen wird er Tod und Hölle,
Guten ihres Lebens Quelle,
wie verschieden wirkt dies Brot!

Wird die Hostie auch gespalten,
zweifle nicht an Gottes Walten,
dass die Teile das enthalten,
was das ganze Brot enthält.

Niemals kann das Wesen weichen,
teilen lässt sich nur das Zeichen,
Sach’ und Wesen sind die gleichen,
beide bleiben unentstellt.

Seht das Brot, die Engelspeise!
Auf des Lebens Pilgerreise
nehmt es nach der Kinder Weise,
nicht den Hunden werft es hin!

Lang im Bild war’s vorbereitet:
Isaak, der zum Opfer schreitet;
Osterlamm, zum Mahl bereitet;
Manna nach der Väter Sinn.

Guter Hirt, du wahre Speise,
Jesus, gnädig dich erweise!
Nähre uns auf deinen Auen,
lass uns deine Wonnen schauen
in des Lebens ewigem Reich!

Du, der alles weiß und leitet,
uns im Tal des Todes weidet,
lass an deinem Tisch uns weilen,
deine Herrlichkeit uns teilen.
Deinen Seligen mach uns gleich!

Deutsch Franz Xaver Riedel (SJ)

Quelle: Gregorian Propers. Das Notenblatt zum Fest mit der Sequenz hier im PDF.

Tantum ergo

Tantum ergo sacramentum
veneremur cernui,
et antiquum documentum
novo cedat ritui.
praestet fides supplementum
sensuum defectui.

Genitori genitoque
laus et jubilatio.
Salus, honor, virtus quoque
sit et benedictio!
Procedenti ab utroque
compar sit laudatio!
Amen.

V: Panem de caelo praestitisti eis.
R: Omne delectamentum in se habentem.

V: Oremus. Deus, qui nobis sub sacramento mirabili passionis tuae memoriam reliquisti: tribue, quaesumus, ita nos corporis et sanguinis tui sacra mysteria venerari, ut redemptionis tuae fructum in nobis jugiter sentiamus. Qui vivis et regnas in saecula saeculorum.
R: Amen.

Kommt und lasst uns tief verehren
ein so großes Sakrament,
dieser Bund wird ewig währen,
und der alte hat ein End.
Unser Glaube soll uns lehren,
was das Auge nicht erkennt.

Gott dem Vater und dem Sohne
sei Lob, Preis und Herrlichkeit
mit dem Geist im höchsten Throne,
eine Macht und Wesenheit!
Singt in lautem Jubeltone:
Ehre der Dreieinigkeit!
Amen.

V: Brot vom Himmel hast du ihnen gegeben.
A: Das alle Erquickung in sich birgt.

V: Lasset uns beten. Herr Jesus Christus, im wunderbaren Sakrament des Altares hast du uns das Gedächtnis deines Leidens und deiner Auferstehung hinterlassen. Gib uns die Gnade, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, dass uns die Frucht der Erlösung zuteil wird. Der du lebst und herrschest in Ewigkeit.
A: Amen.

Deutsch: Heinrich Bone


Quelle: Gregorian Propers

Orte an denen die Heilige Messe im überlieferten Ritus gefeiert wird, sind unter der Adresse heilige-messen.info zu finden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.